Luca hatte sich überraschend (wir berichteten) für die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft der U10 qualifiziert. Die fand wie die vergangenen Jahre schon wieder in Willingen statt, in einem großen Hotel, in dem alle Gruppen in einem großen Saal gleichzeitig spielen können. Begleitet wurde er von der Mutter, und auch Lucia hatte sich bei dem offenen Turnier ODJM C angmeldet und spielte ebenfalls 9 Runden in 7 Tagen. Wer schon mal ein großes Turnier (z.B. Grenke) gespielt hat, der weiß, wie anstrengend es ist, über viele Tage weg die Spannung zu halten.
Beide waren natürlich Teil der Württembergischen Reisegruppe (1. Bild), darunter fanden sich auch andere Bekannte wie Tiffany und Audrey, die als Kaderspieler wieder dabei waren. Markus hatte zu der Zeit Urlaub, und versuchte aus der Ferne, mit Hilfe von WhatsApp und den sehr guten Websites der Deutschen Schachjugend und ein wenig per WhatsApp dem Verlauf zu folgen. Das Folgende sind seine Impressionen über die Tage, mit Zitaten aus WhatsApp und am Ende noch einige Schnipsel aus den Partien.
Wer die Spannung nicht aushält: Luca erreichte den 11. Platz (gestartet vom Listenplatz 28) als bester Spieler aus Württemberg! Das ist überragend, und hätte sich Markus in den schönsten Träumen nicht vorstellen können. 6 Punkte aus 9 Partien, in einem heißen Feld. WOW! Unter Luca ist die Entwicklung zu sehen, auch seine Gegner sind verlinkt, und man kann sogar die Partien nachspielen. Alternativ kann man auch alle Partien auf Lichess nachspielen, Markus weiß aber nicht, wie lange das noch geht.
Gestartet als 26. von 28 hieß, Luca wäre im ersten Block und spielt dann gegen einen von der Setzliste weit hinten. Das sieht easy aus, ist aber schon schwierig, weil alle, die sich qualifiziert hatten, ja heiß auf die Meisterschaft waren. Luca erledigt die Aufgabe souverän, und bekam dann in der zweiten Runde schon den ersten Knaller (später 6.) und verlor seine erste Partie. In der dritten Runde dann wieder ein vermeintlich leichter Gegner, den er am Ende wieder gut niederhielt (den Wackler im 20. Zug vergessen wir lieber gleich).
Damit war Luca im Turnier angekommen, aber wie würde er mit den nun sicher stärkeren Gegnern zurechtkommen? Runde 4 1710? Dort setzte Luca das erste Mal unsere Geheimwaffe, die Ponziani-Eröffnung, ein und konnte seinem Gegner ein Remis abknöpfen. In Runde 5 wieder ein besserer Gegner, der eine Eröffnungsfalle vorbereitet hatte. Luca am Rande der Niederlage über 20 Züge weg verteidigte sich gekonnt (mit ein wenig Glück). Das schwierige Endspiel sah erst den Gegner weit vorne, aber Luca spielt mit, und nutzt dann den Fehler des Gegners aus, um am Ende glücklich zu gewinnen. Die Partie ist unten komplett enthalten.
In Runde 6 kam es dann noch härter, Elian mit 1782 DWZ (der spätere 2.!!) hielt Luca nieder, der die zweite Niederlage einfing. Würde er sich davon erholen können? Die Runden 7-9 waren dann ein Traum, aus dem wir nicht mehr erwacht sind. Sieg gegen 1539 (verdient gegen Königsgamgit), damit hatte Luca sein Ziel, 4,5 Punkte schon 2 Runden vor Ende erreicht. Was würde nun noch kommen? Gegen Aumkar (Schwierigkeiten in der Eröffnung, nach Fehlern des Gegners ein leicht besseres Endspiel, souverän verwandelt) noch ein Punkt.
Der Hammer war die letzte Runde: Luca an Brett 4! spielt gegen Jad Bessou? Bessou? Richtig, das ist der kleine Bruder von Houssein Bessou, der jüngste deutsche Nationalspieler. Gesetzt an 4, mit DWZ 1790. Und hier hat sich dann die sehr gute Betreuung der Trainer bezahlt bemacht. Philipp Müller gab Luca die richtige Eröffnung mit, samt Ideen, wie man hier in ein gleiches Endspiel abwickelt. Das Jad dann nicht mehr gewinnen konnte, damit 6 Punkte, und punktgleich von Platz 5 – 13 auf Platz 11 gelandet. Auch die Partie ist vollständig weiter unten aufgeführt.
Hier nun zwei Partien von Luca, die ich besonders und vor allem spannend fand. Die erste ist aus der 7. Runde gegen Tammo. Auf Lichess findet man alle Partien von Luca hier (mit automatischen Analysen der Partien).
Hier die Abschlusspartie gegen Jad Bessou.
Hier noch die zwei Bilder, die ich sharen kann. Rechts die württembergische Delegation (sucht mal, wen ihr noch kennt), und links die beiden Teilnehmer Luca und Lucia.
Eine ganz starke Leistung. Vor allem, wenn man sieht, wie viel Potential er noch hat. In den Partien findet man ja noch viele falsche Entscheidungen, wenn er da sich weiter so gut entwickelt, werden wir ihn noch oft bei der Deutschen Meisterschaft sehen. Schade finde ich bloß, dass er so oft ein Remis schiebt und dass er so verkrampft auf seine DWZ schaut. Das hemmt seine Entwicklung.
Luca kämpft seine Partien aus. Seine 2 Remis (in 9 Partien) sind gegen Gegner mit > 200 DWZ mehr, da ist man auch mal zufrieden. Ich wundere mich immer, wie weit die Partien ausgespielt werden. Und seine DWZ ist ein Spiegel, ob es hoch oder runter geht. Ich sag den Kids (allen) schon immer wieder, dass die DWZ irgendwann der Spielstärke folgt, deshalb sollen sie ihre Spielstärke verbessern. Luca macht aus meiner Sicht alles richtig. Sorry, habe ich eine andere Meinung zu.