Das 36. Dortmunder Sommerschach Open.

Das traditionsreiche Dortmunder Sommerschach findet bereits seit 1985 im Kulturzentrum Dietrich-Keuning-Haus statt, ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof und dem Deutschen Fußballmuseum. Es werden 7 Runden gespielt in zwei Gruppen für Hobby- und für Klubspieler. Zusätzlich gibt es ein stark besetztes Schnellschachturnier zur Turnierhälfte des Opens und ein Blitzturnier zum Abschluss. Aus Sicht des SC Stetten waren mit Wilfried ein Vereinsmitglied im Klubspielerturnier dabei und mit GM Schmittdiel ein Vereinsfreund im Schnellschachturnier.

Wilfried war nach Startrangliste auf Platz 49 und bekam dadurch in Runde 1 einen sehr leichten Gegner zugelost. Jedenfalls dachte er es. Denn als er schon am Brett saß, wurde nochmal neu ausgelost, weil ein Spieler neu dazu kam. Damit rutschte er doch in die untere Hälfte und bekam den Topgesetzten des Turniers, einen 2200er und musste auch noch mit Schwarz spielen. Die Partie lief wie erwartet, der Favorit engte Wilfried immer mehr ein, richtete mustergültig alle Figuren aus und schlug dann am Königsflügel mit Leichtfigurenopfern voll durch. Da war nichts zu machen, der 2200er sollte auch später überlegen das Turnier gewinnen.

Runde 2 mit Weiß brachte einen 1700er Gegner und diesmal war Wilfried dran mit einem Königsangriff, der aber leider nicht durchschlug. Die Stellung blieb trotzdem vorteilhaft, bis ihn ein unglücklicher Damentausch auf die Verliererstraße brachte. Zum Glück konnte er jetzt seine Endspielstärke, Zähigkeit und Kampfkraft voll in die Waagschale werfen und seinem Gegner in einer Marathonpartie noch ein Remis abringen.

In folgender Stellung gibt es einen Gewinnzug für Schwarz, der Gegner spielte aber g2, so dass Wilfried seinen Läufer gegen den Bauern opfern konnte und doch noch ein Remisendspiel erreichte.


In Runde 3 bekam er einen 1600er Jugendspieler aus der Ukraine zugelost, der zwar gut in der Eröffnung spielte, insgesamt aber viel zu schnell. Im Mittelspiel stellte er zuerst einzügig einen Turm ein, um wenig später dann auch noch in eine schöne Gabel zu laufen, die zusätzlich die Qualität kostete.

Somit stand mit Weiß in Runde 4 wieder eine größere Herausforderung an, ein 1900er. Wilfried verpasste leider in der Eröffnung zweimal die Chance, seinen König mit der kurzen Rochade in Sicherheit zu bringen, blieb im Zentrum hängen, was sein Gegner dann sehr stark auszunutzen wusste. Nicht viel falsch gemacht und trotzdem drohte das Turnier jetzt sportlich ein Misserfolg zu werden.

Vielleicht spielte er deshalb in Runde 5 mit Schwarz auch extra vorsichtig und konzentriert gegen einen hohen 1700er, um nicht noch eine Niederlage zu riskieren. Der Gegner sah es anscheinend ähnlich und es entstand eine unaufgeregte Partie, in der man sich schnell auf ein Remis einigte. Wilfried hatte aber etwas Glück, dass sein Gegner in dieser Stellung einen guten Zug mit Weiß übersah:


Runde 6 brachte einen vereinslosen Spieler ohne Rating, den Wilfried in der Eröffnung mit Weiß komplett ausspielen konnte, es tauchten sogar komplizierte Taktiken auf, mit denen er eine Figur hätte gewinnen können. Plötzlich kam aber Sand ins Getriebe und der Gener konnte einen starken Springer in die Stellung bringen. Hier hätte man vielleicht sogar die Qualität geben müssen um den zu entfernen. Schlimmer noch, die gegnerische Dame drang auch noch in die Stellung ein und ein sicher geglaubter Sieg wendete sich in eine überraschende Niederlage.

Ein schöner Endspielsieg mit Schwarz in Runde 7 gegen einen 1600er sorgte dann aber doch noch für einen versöhnlichen Abschluss, auch wenn Platz 69 und 3 Punkte aus 7 Runden Wilfried ein bisschen DWZ gekostet haben. Mit welchem Zug gewann er in dieser Stellung mit Schwarz?


Auch wenn das Open letztendlich aus Stettener Sicht kein herausragendes Ergebnis geliefert hat, so gab es doch noch ein richtiges Highlight, das auch Wilfried nicht so schnell vergessen wird, nämlich das Schnellschachturnier. 104 Teilnehmer spielten 9 Runden Schweizer System und es waren insgesamt 11 (!) Titelträger am Start.

Sieger mit 8 Punkten wurde GM Hausrath. GM Schmittdiel landete mit 7 Punkten auf Platz 5 und sicherte sich damit den Seniorenpreis. Mit einer ELO-Performance von 1894 und 5 Punkten aus 9 Runden war Wilfried aber einer der größten Überraschungen und sicherte sich den U-1800-Ratingpreis.

Herzlichen Glückwunsch!

Die Links zu den Ergebnissen:

Klubspieler-Open: https://s1.chess-results.com/tnr1473925.aspx?lan=0&art=4&SNode=S0

Schnellschach-Turnier: https://s1.chess-results.com/tnr1476820.aspx?lan=0&art=4&SNode=S0

Blitzturnier: https://s3.chess-results.com/tnr1480023.aspx?lan=0&art=1&SNode=S0

2 thoughts on “Das 36. Dortmunder Sommerschach Open.”

  1. Guten Tag
    Dankeschön für die Berichterstattung! Ich gab die Angaben alle weiter damit ein Bericht daraus geschrieben werden konnte. Das Turnier war schön gewesen, die 11 DWZ Verlust sind ja auch nicht so schlimm. Glaube einen Platz bin ich damit in der Vereinsrangliste abgestürzt. Bei dem vorletzten Diagramm ging die Partie etwas weiter.
    Es folgte noch:
    Tad1 f5 ef:
    Danach bot der Gegner mir remis, was ich nach etwas Überlegung dann annahm.
    Gegen dem Jugendlichen wurde es am Ende sogar Matt, da er nicht aufgab. Zu dieser Zeit hatte ich bereits 2 Türme & 2 Bauern mehr gehabt.
    Beim Blitzturnier war ich nicht gut in Form gewesen, gewann sogar noch 1 Kg Weingummis. Damit rechnete ich überhaupt nicht mehr.
    Soweit noch einige Ergänzungen. Der Gegner aus Runde 1 gewann auch das Turnier mit 6,5 aus 7 Punkten. Letzte Runde remis, vermutlich weil es bereits ausreichte für den Turniersieg.
    Das Foto wurde nach dem Schnellturnier geknipst. Alle Leute auf dem Bild gewannen einen Preis in irgend einer Kategorie. 30,-€ brachte der 1. Ratingpreis, der 2. bekam noch 20,-€ Preisgeld. Ich bin der mit dem weißen T-Shirt & dem Bayernbasecap. Über meine Schulter guckt GM Schmittdiel, dahinter auf der anderen Seite IM Zelbel. Vorne kniehend in der Mitte ist der kleine Ukrainer zu sehen, der mattgesetzt wurde.
    Der letzte Gegner ist ein Urgestein bei uns. Ich hatte bereits 2004 gegen ihn mal gespielt.
    Vielleicht spielt nächstes Jahr noch eine Person von Stetten mit, dann mischen wir zu Zweit das Feld auf. 🙂

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