Gestern fanden sich erfreulicher Weise gleich fünf Vereinsmitglieder zum Spielabend ein, recht viel, wenn man bedenkt, wer gerade alles im Urlaub weilt. Und so sollte es ein abwechslungsreicher Abend werden, hatte man vorher gar nicht mit gerechnet.

Wir starteten mit Endspieltraining unter extremer Zeitnot. Claus-Dieter bekam nur eine Minute Bedenkzeit, wodurch der Stress und Druck in einer Turnierpartie simuliert werden sollte. Schnell wurde klar, dass die Automatismen noch nicht so sitzen und man vielleicht nochmal nachüben sollte.

Folgende Endspiele sollte man mit einer Minute Bedenkzeit (oder zumindest mit zwei Minuten) zum Sieg führen können, gerne mal selber ausprobieren:

1.) Treppenmatt mit Dame und Turm:
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Treppenmatt mit zwei Türmen:
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2.) Damenmatt:
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3.) Turmmatt:
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4.) Läufermatt:
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5.) Bauernumwandlung mit Opposition:
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Im Anschluss haben wir uns zwei Klassiker angeschaut, Polugaevsky – Ftacnik (1982) und Fischer – Andersson (1970). Diese Partien sollte jeder Schachspieler einmal gesehen haben, da zwei ganz typische Motive vorkommen, die nicht nur für die Igel-Verteidigung elementar sind, sondern weil sie in allen Eröffnungen auftauchen können. Und es ist viel wichtiger solche Motive kennenzulernen als irgendwelche Varianten auswendig zu lernen, die dann eh nicht aufs Brett kommen.

Ftacnik spielte den klassischen Igelaufbau mit Schwarz, der eine starke Waffe gegen die Englische- oder Zukertort-Eröffnung darstellt:


Weiß muss in dieser Stellung geduldig sein und sich nicht provozieren lassen unbedacht anzugreifen und seine Königsstellung zu schwächen. Aber genau der Fehler unterlief Polugaevsky, der sich gegen die starken schwarzen Figuren auf den Diagonalen dann nicht mehr nicht wehren konnte. In dieser Stellung hat Weiß bereits ein Matt, gerne mal selber suchen:


Den Igel kann man auch als Eröffnungssystem verstehen und so wundert es nicht, dass Bobby Fischer den Aufbau mit Weiß wählte und damit dem Igel viel an Popularität verschaffte unter Topspielern.


Hier zeigte Bobby Fischer eine Idee, die er vermutlich als 16-Jähriger auf einem Turnier 1959 gesehen hatte in der Partie des Schweizers Nievergelt gegen den Topspieler Paul Keres. Und diese Partie wurde in der Spanischen Eröffnung gespielt, noch ein Hinweis wie wichtig es ist diese Motive zu verinnerlichen und nicht Varianten. Die Züge Kh1, Tg1, g4, Tg3 und Tg1, was später Nievergelt-Manöver genannt wurde.

Ein Hinweis von Jürgen, der das bei Namensvetter Jürgen dem Schachstrategen auf Youtube gesehen hatte:


Im Anschluss stand freies Spiel an, jeder mit der Bedenkzeit, die er mag und zum Abschluss noch ein kleines Blitzturnier, das Fritz überlegen gewinnen konnte. Seine Formschwäche im Blitz die letzten Wochen online auf Lichess waren am Brett wie weggeblasen.

Wahres Schach wird dann eben doch am Brett gespielt!


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