Da man ja manchmal etwas Neues ausprobieren sollte, bin ich am Samstag ins Jagdschlössle nach Schnaitheim gefahren, um an einem Schach960-Turnier teilzunehmen. Zum 75-jährigen Bestehen war es das Jubiläumsturnier des etwa 20 Mitglieder starken örtlichen Schachvereins. Leider waren wir insgesamt nur 10 Teilnehmer, aber das sollte den Spaß nicht dämpfen.

Das Turnier ging über 7 Runden mit Schweizer System, 15min Zeit + 5 Sek./Zug. In den ersten beiden Runden habe ich recht einfach die Punkte heimgebracht. Gerade mein erster Gegner hatte an dem Tag wohl erst zum zweiten Mal Schach960 gespielt und war noch sehr von meiner Rochade überrascht.
Dafür kam in der dritten Runde schon ein deutlich stärkerer Gegner (etwa gleich stark wie ich). Wir haben uns im Spiel nicht viel geschenkt bis ich mich irgendwann in einem Endspiel wiedergefunden habe, in dem mein Gegner das Läuferpaar und ich das Springerpaar mit jew. noch etwa 5 Bauern hatte, aber wir beide mit nur noch unter einer Minute Zeit. Nach und nach wurde ich weiter zurückgedrängt bis er dann einen Bauer durchbringen konnte. Die Traube an Kibitzen hatte mir nach dem Spiel attestiert, dass ich wohl mit einer Gabel einen Läufer hätte gewinnen können, worauf ich während der Partie auch gehofft hatte. Habe ich aber nicht gesehen. Tja, Pech.
Die vierte Partie verlief wieder unspektakulär mit einem Sieg für mich, nach der es dann eine kurze Verschnaufpause für alle gab.
In der ersten Runde nach der Pause musste ich dann ran gegen den bisher ungeschlagenen Ersten in der Tabelle. Er war wohl ähnlich stark oder leicht stärker als ich. Ähnlich wie in der dritten Partie landeten wir in einem Endspiel mit jew. Springer und Läufer und etwa 5 Bauern. Voll konzentriert aber auch mit einigen Fehler von beiden wurden erst die Läufer getauscht und dann ein Bauer nach dem anderen vom Brett genommen, bereits unter Zeitdruck.
Bis es überging in ein Endspiel mit nur jeweils einem Springer und zwei Bauern, ab wo es wilder wurde, aber das Inkrement von 5 Sekunden je Zug noch einen gewissen Fokus erlaubt hat. Mittlerweile hatte sich auch wieder die Traube der anderen 8 Mitspieler gebildet und die Stellung war in etwa wie folgt (es kann sein, dass die Könige und der weiße Springer tatsächlich minimal anders standen und auch wer am Zug war, war nicht mehr nachzuvollziehen), mit ein wenig Ruhe auf jeden Fall zu gewinnen für mich (Weiß).

Da die Ruhe zusammen mit der Zeit aber mittlerweile das knappste Gut geworden ist, gab es hier mehrere (suboptimale) weiße Springerzüge bis der weiße Bauer weg war. (Auch hier bei folgender Stellung wieder keine Garantie auf Richtigkeit).

Für einen kurzen Augenblick hatte Schwarz neuen Mut gefasst, doch nach h3 und dem folgenden Springeropfer auf h3 war der Mut auch schon schnell wieder dahin und Schwarz bot Remis.

Ich versuchte, die Konzentration zu halten. Da ich mir sicher war, den schwarzen Bauer auf f5 im nächsten Zug abzuräumen und mir sicher war, mich (trotz theoretischer Möglichkeit) nicht auf a8 Matt setzen zu lassen, lehnte ich selbstbewusst ab und begab mich unter Adrenalin auf den direkten Weg zum Springer.
Wenn man sich das nun so anschaut, sieht man sofort den Weg, den man gehen sollte, aber ihr ahnt es… der schnellste Weg war für mich über e5 und d6.

Und so war ich selbst in dieser Partie vielleicht mein größter Gegner und halbierte quasi eigenmächtig nach einem langen Kampf meinen Punkt. Aber doch sollte ich der Einzige bleiben, der dem späteren Turniersieger Punkte abgeluchst hat.
Die letzten beiden Partien verliefen wieder deutlich ruhiger und mit Siegen meinerseits. Und so durfte ich nach meinem ersten (nicht digitalen) Schach960-Turnier als Dritter das Treppchen besteigen.

Es war für mich eine interessante Alternative zum klassischen Schach und wahrscheinlich wird es für mich nicht das letzte Schach960-Turnier bleiben.

[Bericht von Robin]
Vielen Dank, dass du mir den Bericht geschickt hast! Ich habe auch schon ein Chess960-Turnier gespielt, das macht viel Spaß.