Das Wetter hatte übers Wochenende eine kleine Überraschung parat: Heftige Schneefälle in der Nacht führten teilweise zu spiegelglatten Straßen.
Beide Mannschaften brachten trotzdem ihre besten Spieler ans Brett, wenn auch mehr oder weniger erkältet.

Nach einem kurzen Kraftakt vor Beginn, unser Rollstuhlfahrer wollte in den ersten Stock gehievt werden, ging’s flott zur Sache.
In einem recht offenen Franzosen musste sich Gert eines fulminanten Königsangriffs erwehren. Mutig die Opfer annehmend fand er immer die beste Verteidigungsstrategie und konnte es sich zum Schluss leisten, selbst eine Figur zu opfern, um die Dame zu tauschen. So gesehen sah es nach anderthalb Stunden nach einem leichten Sieg aus. Wenige Minuten später gab Robin seine Partie remis. Im Turmendspiel bei geschlossenen Bauernstrukturen war nix mehr zu machen.

Jonathan – vom Krankenlager auferstanden, um ein wenig Schachluft zu schnuppern, spielte munter auf Königsangriff und opferte schon in der Eröffnungsphase eine Figur. Sein Gegner war vorsichtig genug, das Opfer lieber abzulehnen und nur mit Mehrbauern ins Mittelspiel überzugehen. Um einen gedeckten Freibauern zu bekommen, gab Jonathan noch die Qualität obendrein, nur fehlte ihm anschließend Material seinen Freibauern durchzudrücken. Als es dem Gegner auch noch gelang, den Deckungsbauern abzutauschen war die Partie nicht mehr zu retten.

Stefan hatte einen leichten Tag. Sein Gegner schien wie darauf versessen zu sein, seine Bauern für einen Königsangriff zu opfern. Stefan nahm die Bauern gerne an, es drohte schlichtweg nix. Als Stefan dann auch noch das Zepter im Zentrum übernahm und seinerseits 2 Freibauern laufen ließ, war’s schnell vorbei.

Am Nachbarbrett hatte Markus seine liebe Not mit einem unglaublich nervösen Gegner. Ständig zitternd warf er seine Wasserflasche um und setzte damit gleich mehrere Bretter nebst Figurenmaterial unter Wasser. Immerhin brachte er damit (sicher unbeabsichtigt) Markus aus dem Konzept, der nach einem Bauerntausch die Qualität einbüßte. Im anschließend entstehenden Endspiel mit Freibauer, unterstützt von 2 Springern und Turm schaffte er es nicht, den Bauern zu halten oder eine entscheidende Springergabel anzusetzen. Letztendes fiel der Freibauer, 2 Türme gegen Turm und Springer bei total offener Stellung waren danach einfach zu stark.

Wenig später durfte Fritz ein volles Pünktchen einfahren. Marc (der diesjährige Drittplatzierte bei unserer Stadtmeisterschaft) hatte auf die Rochade verzichtet und einen Angriff mit Doppeltürmen auf der h-Linie kreiert, während er Fritz den Damenflügel überließ. In Zeitnot fand er im Zentrum kein vernünftiges Plätzchen für den König und musste einen Turm opfern, um Matt zu verhindern. Der Rest war mehr oder weniger Formsache.

Bei Jürgen lief’s eigentlich auch recht gut. Schnell hatte man alle Leichtfiguren getauscht und mit der Drohung eines Grundreihenmatts auch noch die Damen. Obwohl er schon die 2. Reihe mit dem Turm besetzt hatte und drohte, gleich mehrere Bauern zu schlagen, hielt der Gegner seine Stellung und gab freiwillig nicht ein einziges Stück her. Gefühlsmäßig war die Stellung gewonnen, aber wie so oft sehen Kiebitze bekanntlich mehr.
Um seinen König ins Spiel zu bekommen, tauschte Jürgen zwangsläufig einen seiner beiden Türme. Die Einbruchsfelder mit dem König unter Kontrolle haltend ging halt danach mit nur noch einem Turm nicht mehr viel, Remis nach weiteren Bauerntäuschen war die Folge.

Beim Stande von 4 : 3 musste die Begegnung am letzten Brett die Entscheidung bringen. Nach dem Öffnen der f-Linie gewann Altmeister Reimann zwar dank aktiverer Dame einen Bauern, dafür aber konnte Rafael den Damentausch erzwingen und anschließend einen rückständigen Bauern belagern und später erobern.
Ein nicht leicht zu sehendes Springeropfer brachte dem Gegner erneuten Bauernvorteil. Aber auch ein Freibauer am Damenflügel reichte nicht für den Sieg. Und auch ein Turmopfer mit anschließendem Rückgewinn durch eine Springergabel kostete den Gegner 2 weitere Bauern und jegliche Siegchancen.
Friedliche Punkteteilung nach spannendem Verlauf war die Folge.

Mit dem knappen Sieg festigte Stetten seinen dritten Tabellenplatz, Magstadt braucht schon etwas Schützenhilfe (von uns), um die Kreisklasse zu halten.
Die letzte Runde findet nach den Osterferien erst am 22.04.2018 statt. Als Gäste erwarten wir da die Schachkids aus Bernhausen. (Bericht von Fritz)


Nach dem Rückzug der schwarzen Dame fand Stefan in der Stellung ein feines Abspiel — das sein Gegner übersah.


In der Diagrammstellung hat Rafael minimalen Vorteil, aber muss aufpassen.


5 Kommentare

Rafael · 19. März 2018 um 20:34

Ich hatte eigentlich auf einen einfachen Gegner gehofft und nicht erwartet gegen einen so guten Schach-Senioren anzutreten. „Nun gut, nach ein paar Stunden wird er schon anfangen Fehler zu machen.“, dachte ich mir, aber Pustekuchen! Herr Reimann hat über 5 Stunden super gespielt, ich war richtig froh, dass ich ihn wenigstens am Ende noch in eine „Falle“ zum Remis locken konnte.

Markus · 19. März 2018 um 22:52

Ging mir auch so. Da sitzt ein Zappelphilipp, man selbst ist eher genervt (und … krank) und will eigentlich schnell fertig werden. Und dafür sind die Jungs dann doch zu gut. Von meiner Partie hätte man nur lernen können, wie man es nicht macht. Hut aber vor Deiner Geduld! Wie Du Stunde um Stunde am Brett sitzt, und trotz kleiner Fehler am Ende immer noch eine Rettung findest, Chapeau!

    Rafael · 20. März 2018 um 19:11

    Danke! Wahrscheinlich ein bisschen Anfängerglück in meiner ersten Saison. 🙂 Ich würde sehr gerne gegen solch einen Gegner auch mal gewinnen, so weit bin ich aber noch nicht.

    (Die Grafik bei Stefans Partie sieht bei mir im Firefox seltsam Schwarz-Weiß aus.)

Jonathan · 20. März 2018 um 10:12

Ich habe ja auch nicht wirklich gezeigt, wie man richtig opfert… Aber immerhin hat es Spaß gemacht, und meinem Gegner einen ordentlichen Schock verpasst, wie er in der Analyse zugab.

Stefan · 20. März 2018 um 15:42

Einen leichten Tag möchte ich das nicht nennen. Wer weiß wie ich zerlegt worden wäre, wenn mein Gegner nicht direkt auf h3 zugegriffen hätte. Am Ende war mir d7 einfach angenehmer, war sozusagen ein Angebot endlich aufzugeben.

Markus: Danke für deine Berichte, insbesondere auch über das Kandidatenturnier.

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