Was für ein Spieltag nach unserem Vereinsjubiläum!

Die Feier schien noch allen in den Knochen zu stecken. Die letzten verließen erst um halb Vier die Festhalle um ab 9 Uhr an gleicher Stelle wieder den Spieltag zu bestreiten. Es sollte ein Wechselbad der Gefühle werden. Sindelfingen – in Summe mit etwas höherer Spielstärke als wir, war der erwartet unangenehme Gegner.

Nach der ersten Stunde stand allenfalls Markus klar besser. Bis es überhaupt etwas Zählbares gab, gingen zweieinhalb Stunden ins Land. Der Mannschaftsführer hatte es vorsichtig angegangen und dem Gegner vor allem positionelle Vorteile überlassen. Als dieser zum Angriff überging, unterschätzte er allerdings das Gegenspiel und opferte die Qualität. Fritz behielt die Übersicht, ignorierte den Angriff und nahm das Opfer gerne an. Schon nach wenigen Zügen lichtete sich das Schlachtfeld, der Qualitätsvorteil und damit auch der volle Punkt für Stetten blieb.

Kurz danach musste Sergej, der bisher sowohl in der C- als auch in der Kreisklasse alles gewann, die erste Niederlage hinnehmen. Hatte mit Läufern, Turm und Springer einen schönen Königsangriff aufgebaut, aber beim Opfern einer Figur nicht ausreichend Kompensation erhalten. Letztenendes war ein Bauer zu wenig für die geopferte Figur. Für eine erste Überraschung sorgte anschließend Stefan. Schon früh hatte er eine Figur verloren, aber in aussichtsloser Stellung weiter gekämpft. Mit aktivem König hielt er die Stellung nicht nur geschlossen, sondern schaffte es sogar, einen Turm hinter die gegnerischen Linien zu bringen und Materialgewinn zu drohen. Dem Gegner fiel als Antwort nur Zugwiederholung ein, zur Überraschung aller mit Punkteteilung.

Wenig später endete auch die recht spannende Partie von Rafael. Bei gegenläufiger Rochade konnte der Gegner schnell einen Bauernaufmarsch initiieren und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er den Dosenöffner finden würde (nur am Rande: Stockfish-Bewertung lag zeitweise bei Minus 3,5 – sprich dem Wert einer ganzen Figur). Rafael hielt nervenstark dagegen, sorgte selbst für Gegenspiel auf der h-Linie. Und vor allem mit seiner stoischen Ruhe schien er den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Der Angriff verebbte und Rafael sammelte sukzessive Materialvorteil. Zum Schluss war es ein ganzer Turm mehr, als der Gegner aufs Weiterspielen verzichtete. Jonathan musste sich mit dem Senior der Sindelfinger abmühen, der seinerseits recht umsichtig verteidigte. Zudem überraschte er mit einem Einschlag auf g6, was Jonathan schlichtweg übersehen hatte und gleich 2 Bauern kostete. Bei schwächelnder Königsstellung war es schwer, noch Angriffsbemühungen zu unternehmen, schlussendlich reichte dem Gegner die Besetzung der offenen Turmlinien um am Vorteil festzuhalten und für den Sindelfinger Ausgleich zu sorgen.

Die letzten 3 noch laufenden Partien waren alle noch völlig offen, als es Jürgen schaffte, dank eines Patzers seines Gegners mit Läuferspieß die Qualität zu gewinnen und auf der 7. Reihe einzudringen. Ein Freibauer mit Turmunterstützung brachte wenig später den Sieg. Etwa zur gleichen Zeit büßte Gert einen Bauern ein. Mit Läufer und Springer gegen 2 Läufer sah er allerdings die Chance auf eine Punkteteilung. Auf der einen Seite löste er die Bauernstellung auf und opferte seinen Springer. Auf der anderen Seite lief der Randbauer nicht, da der verbliebene Läufer das Umwandlungsfeld nicht besaß. Super Endspiel, lehrreich und mit gutem Ausgang für Gert nebst Führung zum 4 : 3.

Markus, der zu Beginn flott aufspielte und schon früh die gegnerische Königsstellung aufbrechen konnte, tat sich schwer gegen seinen zäh verteidigenden jugendlichen Kontrahenten. Als es so aussah, als ob der Gegner einen Springer verlieren würde kam’s zum Generalabtausch. Irgendwie sollte es nicht sein, mit etwas aktiverem Turm gewann der Gegner einen Bauern nach dem anderen. Als dann auch noch der Turmtausch erzwungen werden konnte, schien die Partie vorbei. Die letzte Chance für Markus bestand in einem Freibauern am Damenflügel, den er mit Springer und König voran trieb. Aber auch das sollte nicht reichen, konnte der Gegner seinerseits noch das Umwandlungsfeld erreichen. So verblieben 3 Freibauern des Gegners, die Markus mit einem Springer aufhalten musste. Der König kam rechtzeitig zurück und als es so schien, als ob es doch noch zum Remis reichte, schlug Markus ohne größeres Nachdenken den freien Randbauern mit dem Springer statt mit dem König. Schreck bei den Zuschauern aber zur Überraschung aller einigten sich die Kontrahenten auf Punkteteilung. Die Kiebitze hüben wie drüben hatten alle gesehen, dass weder Springer noch König einen vorrückenden Freibauern hätten aufhalten können.

Mit dem etwas glücklichen knappen Sieg sind wir wie SC Böblingen IV weiterhin ungeschlagen. Immerhin Vizeherbstmeister im Jubiläumsjahr. Im neuen Jahr geht’s erst am 13. Januar 2019 in Aidlingen weiter. [Bericht von Fritz]


Fritz spielt dieses Jahr bärenstark an Brett eins, das musste auch sein DWZ stärkerer Gegner einsehen:



Rafael wurde von der Holländischen Verteidigung seines Gegners überrascht, konnte den Angriff seines Gegners aber ins Leere laufen lassen und entscheidend zurückschlagen:



Markus erreichte schnell eine gewonnene Stellung, ehe er leider den Faden verlor. Aber auch ein geschenktes Remis zählt!


3 Kommentare

Rafael · 5. Dezember 2018 um 6:55

Komisch. Da wollten wir dieses Jahr die Zweite puschen und dann gewinnt die Erste alles. Mal sehen wie es am Wochenende läuft gegen die Schachkids. 2-2?

Stephan · 5. Dezember 2018 um 21:29

bei der Partie von Markus…OMG mehr Glück kann man ja nicht haben. einfach d2 und gute Nacht weiß.
Und dann Remis sofort mit Handschlag…..sprachlos!

    Markus · 6. Dezember 2018 um 6:59

    Oh ja, ich bin mir meines Glücks wohl bewusst. Weiß der Herr, was mich da geritten hat. Nach Sd2 ist alles gut, und der Handschlag wäre gerechtfertigt. Nach 5 Stunden hatte ich mir das aber auch verdient … 🙂

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