Den Begriff gibt es sicher nicht, aber er passt einfach am Besten zu dem, was wir seit etwa 2 Jahren in der Schach-AG tun. Und ich glaube, dass das Konzept auch für andere nützlich und wertvoll sein kann, deshalb der Versuch, es hier zu erzählen.

Gemerkt habe ich das wiederholt, wenn am Foyer der Festhalle Kinder vorbeiradeln, stehen bleiben, und darüber spekulieren, ob ¨hier gleich ein Kinofilm gezeigt wird¨. Irgendwie hatten die Kids das Gefühl, dass das etwas besonderes ist, was wir da machen.

Aber bevor ich anfange zu erklären, was wir anders machen, erst mal den Einstieg, warum wir das machen. Eine Schach-AG vor wenigen Jahren lief so ab:

  • Ich habe zuhause ein Google Doc vorbereitet, abgelegt und vor allem ausgedruckt und gelocht.
  • Ich habe dann zur Schach-AG den Ausdruck mitgebracht, später etwas bereits ausgedrucktes aus dem Ordner geholt.
  • Dazu wurde das magentische Demobrett auf der Staffelei aufgebaut (Stuhl auf dem Tisch ist keine gute Staffelei 🙁 ). Dazu die später beschafften Magneten, damit die Figuren auch beppen.
  • In der Stunde musste dann jede Stellung aufgebaut werden: Position nachschauen, Figuren hinkleben (Magnete drauf), prüfen, dann den eigentlichen Inhalt besprechen.
  • Brutto/netto war gefühlt 100% zu 60% oder weniger. Viel Gelächter, wenn die Figuren runterfielen.

Die Idee, die (mit Corona) dann entstand, war, was wäre, wenn man das Online-Material auch Offline vor Ort verwenden könnte:

  • Kein Aufbau mehr, Stellung ist einfach da.
  • VIEL bessere Unterstützung: Kommentare, Varianten, farbige Pfeile, …
  • Und die vielen tollen anderen Möglichkeiten, die Lichess und anders auf dem Internet bieten.

Was hat sich geändert damit:

  • Zuhause eine Studie anlegen, Positionen vorbereiten (mit Zügen/Varianten/Hervorhebungen/…).
  • Browser (Session: Schach) vorbereiten: Tab mit allen Studien, aktuelle Planung.
  • Beamer/Leinwand/Laptop/Internet aufbauen. Kostet etwa 15 Minuten extra.
  • Wichtig: Online vor Ort muss funktionieren, damit steht und fällt alles. Ich brauche für die Schach-AG 100-200MB im Monat (wenn ich Lichess nutze, keine Videos).

Die Vorbereitung des Unterrichts bleibt natürlich, und auch der Aufwand ist ungefähr gleich, ob man ein Google Docs Dokument erstellt und ausdruckt, oder eine Studie mit denselben Stellungen.

Beamer, Leinwand, Laptop, mit Darstellung einer Studie auf Lichess (online)

Hier sieht man das Aufsetzen aller wesentlichen Bestandteile für eine vor Ort Trainingssession: Leinwand, Beamer, Computer, Verbindung zum Internet über das Handy. Die Leinwand stellt den für die Schüler sichtbaren Teil dar, der Computerbildschirm zeigt die Sicht des Trainers. Der Trainer hat zusätzliche Möglichkeiten. Er kann die nächsten Züge vor den zu Trainierenden verbergen (aber sie selbst sehen). Er kann Computerhilfe anfordern (Stockfish), die Evaluation ist aber für die Schüler nicht sichtbar, …

Hier die Darstellung mit Pfeilen und schon gespielten, aber auch einigen verborgenen Zügen.

Und hier noch die Darstellung, wie sie dann während des Trainings aussehen kann. Die Schüler sehen die schon bereits gespielten Züge, aber nur die. Die Züge, die in der Studie sind, aber noch nicht gezeigt wurden, sind verborgen. Die visuelle Unterstützung (farbige Pfeile und Markierungen, Annotationen der Schachnotation, Kommentare, …) wird aber alles für beide (Schüler und Trainer) übertragen.

Natürlich haben die Schüler inzwischen mitbekommen, dass auf meinem Laptop die Lösungen zu sehen sind, aber ein Hinweis reicht, dass ihre Aufmerksamkeit wieder vorne auf der Leinwand ist.

Und die zusätzlichen Möglichkeiten Online werden hin und wieder auch genutzt. So machen wir öfter Quizziz zusammen, und der Spaß ist ähnlich wie online, auch wenn alle Kinder zusammen gewertet werden.

Wir haben in Summe sehr gute Erfahrungen mit dem Ansatz gemacht. Hier nochmal zusammengefasst, was die Vorteile für uns sind:

  • Die Vorbereitung für Online-Training und Vor-Ort-Training ist identisch. Alles Trainingsmaterial kann in beiden Formen gleich genutzt werden.
  • Der Aufwand für den Aufbau ist minimal.
  • Die Rüstzeiten in den Trainingssessions für das Aufbauen der Stellungen entfallen komplett, das Verhältnis brutto (Gesamtzeitaufwand) und netto (Zeit für Trainingsinhalte) ist viel, viel besser.
  • Ab und an können online-Inhalte auch das Training vor Ort auflockern.

Und wer mehr über die Details wissen möchte, kann sich das Trainingsmaterial zu meinem Workshop für den WLSB anschauen. Mal sehen, vielleicht gibt es den Workshop mal wieder.


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