Kannst du uns etwas zu deiner Person sagen?

Ich bin 51 Jahre alt und lebe mit meiner Frau und unseren beiden Kindern (17 und 11) in Aichtal. Ich arbeite im Vertrieb eines Logistikunternehmes; in meiner Freizeit interessiere ich mich neben Schach für Fußball (passiv) und Nordic Walking (aktiv).

In welchem Alter hast du Schachspielen gelernt und von wem?

Von meinem Großvater – ich glaube, ich war damals 10 oder 11 Jahre alt. Genau weiß ich es nicht mehr …

Wann und warum bist du in einen Schachverein eingetreten?

Mein Opa kannte jemand im örtlichen Schachverein und meinte, es wäre interessant für mich – ich habe dann zwei, drei Jahre dort gespielt, dann sind wir aber weggezogen und das Thema Schach hatte sich erstmal erledigt.

Was war bisher dein größter Erfolg oder schönste Erfahrung im Schach?

Das weiß ich nicht mehr – die Vereinszeit als Kind ist zu lange her. Aktuell habe ich ja noch kein Turnier oder Vergleichbares gespielt. Generell war aber das Spielen im Team eine schöne Erfahrung.

Was war deine schlimmste Niederlage?

Siehe vorige Frage/Antwort – eigentlich sind Niederlagen nicht wirklich schlimm, man lernt genauso daraus wie aus Siegen. Ärgerlich war für mich vor einigen Tagen aber eine Partie auf Lichess, in der ich besser stand, dann aber meinen Turm verlor, als ich den Bauern, der meinen Turm von seiner Grundstellung aus angriff, mit meinem Bauern nicht en passant schlagen konnte – ich konnte den Zug einfach nicht ausführen. Ich weiß nicht, ob ich mehrmals falsch geklickt hatte oder das Programm einen Bug hatte … Der Turm war dann jedenfalls weg und die Partie auch. Das ging mir eine Weile nach.

Womit spielst du lieber? Mit Läufern oder Springern?

Tendenziell eher mit Springern, obwohl ja meist zwei Läufer eher stärker sein sollen als zwei Springer.

Wenn du die Dame gegen zwei Türme tauschen kannst, würdest du es machen?

Das würde ich situativ entscheiden. Prinzipiell ja.

Würdest du eine Partie aufgeben, wenn du eine Figur einstellst oder spielst du weiter?

Kommt drauf an – ich kämpfe gerne und häufig bis zum Ende – manchmal passiert dem anderen ja auch noch ein Fehler, v.a. in Zeitnot. Beim Schnellschach auf Lichess habe ich schon einige Male wieder aufgeholt und noch gewonnen oder remisiert. Aber wenn es wirklich aussichtslos ist und ich auch merke, dass der Gegner weiß, wie er es zu Ende bringen kann und nicht noch in ein Patt läuft oder so, dann gebe ich auf. Es ist ja auch die Zeit des anderen…

In welchen Situationen nimmst du ein Remisangebot an?

Wenn die Stellung ausgewogen und ganz schwierig für mich zu beurteilen ist, und der Gegner auch erkennbar stark ist, bin ich mit Remis zufrieden. Bei LIchess: Wenn er eine deutlich bessere Wertungszahl hat, verbessert es ja meine i.d.R. auch.

Welches Verhalten oder Eigenarten des Gegners stören dich am meisten während einer Partie?

Hier kann ich ebenfalls nur für Erlebnisse auf Lichess sprechen: Wenn der Gegner erkennbar verloren hat, aber dann einfach bis zum Schluss wartet oder ohne Nachricht die Partie einfach beendet.

Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel, worin bist du am stärksten und worin würdest du dich am liebsten verbessern?

Ich interessiere mich eher für Eröffnungen und die verschiedenen Ideen dahinter. Im Mittelspiel versuche ich taktische, ungewöhnliche Züge zu finden und manchmal klappt es auch. Mir fehlt hier aber die Fähigkeit, mögliche Zugfolgen tiefer durchzurechnen, und auch noch das Gefühl für bestimmte Muster. Verbessern sollte ich mich auf alle Fälle im Endspiel – ich habe schon mehrfach verloren, wenn die Stellung ausgewogen war, oder ich sogar mit Turm und fünf Bauern gegen Turm und vier Bauern gespielt hatte (oder ähnliche Kombinationen). Hier fehlt mir das Gefühl für das notwendige Zusammenspiel von König, Figur und Bauern.

Wer ist für dich der beste oder wichtigste Schachspieler/in aller Zeiten?

Die ganzen Altvorderen kenne ich nur vom Namen – daher am ehesten Garry Kasparov und Magnus Carlsen. Ich weiß nicht, ob man Lasker, Tal, Capablanca etc. mit den heutigen Meistern vergleichen kann. Die Theorie ist heute ja viel weiter und KI hatten die auch nicht. Wäre interessant zu sehen, wie die gegen die aktuellen Stars spielen würden – mit dem heutigen Wissen im Hinterkopf.

Wer ist aus deiner Sicht der beste Schach-Streamer/-Youtuber/in?

Da kenne ich (noch) kaum welche – Simon Williams (GingerGM) erklärt für mich gut und motivierend das London-System (danke für den Tipp, Rafael!), seine anderen Beiträge habe ich noch nicht gesehen. Und „The Big Greek“ finde ich auch sehr gut – kleine, gut verdaubare „Häppchen“ zu bestimmten Eröffnungen wie Italienisch oder Russisch, und auch gut visualisierte Zugfolgen.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was sich im Schach ändern soll, was wäre das?

Nichts – dass es so wie es ist bleibt und auch weiterhin viele Freunde findet.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was sich im Verein ändern soll, was wäre das?

Dazu bin ich noch nicht lange genug dabei. Stand jetzt fühle ich mich hier sehr wohl als Neumitglied – ich finde es auch toll, wie jetzt die Corona-Zeit digital überbrückt wird.

Was möchtest du im Schach erreichen, gibt es ein persönliches Ziel?

Ich möchte mich langsam, aber stetig weiter entwickeln. Dazu möchte ich gerne demnächst mal eine DWZ erreichen und hoffe, in der Nach-Corona-Zeit das eine oder andere Turnier spielen zu können. Mittelfristig wäre es schön, vielleicht auch das eine oder andere Mal in der zweiten Mannschaft aushelfen zu können. Langfristig möchte ich mich im Endspiel verbessern und mal irgendwann in den DWZ-Bereich jenseits der 1500 vorstoßen. Als konkretes Ziel für die nächste Zeit möchte ich mir ein Eröffnungsrepertoire aufbauen – derzeit interessieren mich neben dem London-System noch Italienisch und Preußisch für Weiß und Caro-Kann und noch irgendwas gegen d2-d4 für Schwarz. Wer weiß, vielleicht erfinde ich ja eines Tages mal die „Schwäbische Eröffnung“ 🙂

[Interviewfragen von Rafael mit großem Dank an Gerhard für seine Zeit!]


1 Kommentar

Kai · 21. Mai 2020 um 15:39

Die Interview-Serie ist richtig gut. Wenn von Chris auch noch was kommt, darf das gerne nahtlos auch mit den alteingesessenen Mitgliedern fortgesetzt werden. 🙂

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